Offene Türen besichtigten das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg

Die Aktiven des Vereins „Offene Türen – Internationaler Treff“ nutzten das herbstliche Traumwetter am Wochenende zu einer eindrucksvollen Vereinsfahrt, bei dem sie sich mit dem Albtraum der jüngeren deutschen Geschichte auseinandersetzten, der NS-Diktatur von 1933 bis 1945. Ziel war das NS-Dokumentationszentrum auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Auf der Rückfahrt war das Wahlergebnis in Thüringen das bestimmende Thema, wobei es – nach der vorangegangenen intensiven Beschäftigung mit dem völkischen Wahnsinn – allen geradezu surreal und absurd vorkam, dass ein Rechtsextremer wie Höcke ein solch hohes Wahlergebnis erzielt.

Die meiste Zeit im Dokumentationszentrum verbrachten die Vereinsaktiven in der Dauerausstellung zum Reichsparteitagsgelände, die den Aufstieg der NSDAP zum ausgeklügelten Terrorsystem aufzeigt und analysiert. „Die Propagandamaschinerie der Faschisten nutzte die aktuellsten Medientechniken der damaligen Zeit“ stellt Joachim Siegl, der Vorsitzende der Offenen Türen, ernüchtert fest. „Es schmerzt sehr, sehen zu müssen, wie die Rhetorik der Rechtspopulisten heute wieder salonfähig gemacht wurde und wird“. 

Mit dem Besuch der Ausstellung „BLUTIGER BODEN – Die Tatorte des NSU“ von Regina Schmeken endete der Aufenthalt im Dokumentationszentrum, und kam die Thematik gleichzeitig in der Gegenwart an. Für die Fotokünstlerin Regina Schmeken ist ihre Ausstellung ein Versuch, die Fassungslosigkeit, die Ratlosigkeit, die Ohnmacht, aber auch die Wut zu kanalisieren und umzusetzen und das Gedenken an die Ermordeten aufrecht zu erhalten. Ihre Bilder – großformatige Schwarzweißaufnahmen der Schauplätze – nehmen die Betracher*innen  mit an die Tatorte, sie versuchen das Ungeheuerliche zu reflektieren und rufen in Erinnerung: Die Attentate waren nicht allein Angriffe auf unsere Mitbürger, es waren Angriffe auf universelle Menschenrechte und damit auf unsere Gesellschaft. 

Sehr beeindruckt waren die Mitglieder der Schrobenhausener Offenen Türen von der Sonderausstellung, die in großformatigen Fotos die Tatorte der NSU-Morde zeigt. Die Gebäudlichkeiten, die jetzt unter anderem als Museum genutzt werden, zeigen dabei gleichzeitig in aller Deutlichkeit den Größenwahn der nationalsozialistischen Machthaber.