Gedanken zur Reichspogromnacht

8 Jahrzehnte nach der verhängnisvollen Reichspogromnacht 1938 (Hintergründe: siehe hier und hier) marschieren die Nazis wieder durch Deutschland, in dem Fall durch Bielefeld!

Ja, es waren „nur“ 230 Nazis aufmarschiert (jeder einzelne Ewiggestrige ist zu viel!). Ja, es haben sich mehrere Tausend Gegendemonstranten zusammengefunden, um friedlich zu zeigen, dass dieses Gedankengut hier nicht willkommen ist.
Der springende Punkt ist die Tatsache, dass die Nazis die Dreistigkeit haben, an einem wahrlich schicksalsbeladenen Tag wie dem Jahrestag der Reichspogromnacht wieder durch Deutschland zu marschieren!

Natürlich muss eine wehrhafte Demokratie so eine Provokation aushalten. Aber es zeigt leider nur zu deutlich, dass rechtes Gedankengut wieder auf dem Vormarsch ist. Es zeigt nur zu deutlich, wie viel Arbeit es für die Offenen Türen noch zu tun gibt. Jede und jeder, dem daran gelegen ist, dass sich rechtes Gedankengut nicht weiter ausbreitet, ist zu unseren monatlichen Treffen (z. B. 18. November, 19:30 Uhr, Juze/GreenHaus) herzlich eingeladen!

Offene Türen besichtigten das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg

Die Aktiven des Vereins „Offene Türen – Internationaler Treff“ nutzten das herbstliche Traumwetter am Wochenende zu einer eindrucksvollen Vereinsfahrt, bei dem sie sich mit dem Albtraum der jüngeren deutschen Geschichte auseinandersetzten, der NS-Diktatur von 1933 bis 1945. Ziel war das NS-Dokumentationszentrum auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Auf der Rückfahrt war das Wahlergebnis in Thüringen das bestimmende Thema, wobei es – nach der vorangegangenen intensiven Beschäftigung mit dem völkischen Wahnsinn – allen geradezu surreal und absurd vorkam, dass ein Rechtsextremer wie Höcke ein solch hohes Wahlergebnis erzielt.

Die meiste Zeit im Dokumentationszentrum verbrachten die Vereinsaktiven in der Dauerausstellung zum Reichsparteitagsgelände, die den Aufstieg der NSDAP zum ausgeklügelten Terrorsystem aufzeigt und analysiert. „Die Propagandamaschinerie der Faschisten nutzte die aktuellsten Medientechniken der damaligen Zeit“ stellt Joachim Siegl, der Vorsitzende der Offenen Türen, ernüchtert fest. „Es schmerzt sehr, sehen zu müssen, wie die Rhetorik der Rechtspopulisten heute wieder salonfähig gemacht wurde und wird“. 

Mit dem Besuch der Ausstellung „BLUTIGER BODEN – Die Tatorte des NSU“ von Regina Schmeken endete der Aufenthalt im Dokumentationszentrum, und kam die Thematik gleichzeitig in der Gegenwart an. Für die Fotokünstlerin Regina Schmeken ist ihre Ausstellung ein Versuch, die Fassungslosigkeit, die Ratlosigkeit, die Ohnmacht, aber auch die Wut zu kanalisieren und umzusetzen und das Gedenken an die Ermordeten aufrecht zu erhalten. Ihre Bilder – großformatige Schwarzweißaufnahmen der Schauplätze – nehmen die Betracher*innen  mit an die Tatorte, sie versuchen das Ungeheuerliche zu reflektieren und rufen in Erinnerung: Die Attentate waren nicht allein Angriffe auf unsere Mitbürger, es waren Angriffe auf universelle Menschenrechte und damit auf unsere Gesellschaft. 

Sehr beeindruckt waren die Mitglieder der Schrobenhausener Offenen Türen von der Sonderausstellung, die in großformatigen Fotos die Tatorte der NSU-Morde zeigt. Die Gebäudlichkeiten, die jetzt unter anderem als Museum genutzt werden, zeigen dabei gleichzeitig in aller Deutlichkeit den Größenwahn der nationalsozialistischen Machthaber.

Offene Türen besichtigen Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg

Der Verein „Offene Türen – Internationaler Treff e.V.“ besichtigt am kommenden Sonntag, 27.Oktober 2019, das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg und hat eine Führung durch die Ausstellung organisiert. „Gerade weil es, insbesondere durch die AfD und ihre SympathisantInnen, salonfähig geworden ist, die Verbrechen des Nationalsozialismus zu verharmlosen, das Gedenken zu diskreditieren und rassistische und antisemitische Propaganda zu verbreiten, halten wir es für wichtig, Orte aufzusuchen, an denen die Unmenschlichkeit dieser Ideologie spürbar wird,“ erklärt der Sprecher des Vereins, Joachim Siegl, die Motivation für diesen Vereinsausflug der besonderen Art.

Eine Führung durch die aktuelle Sonderausstellung „Das Reichsparteitagsgelände im Krieg“ wird interessante Details vermitteln. Hier gehen die HistorikerInnen der weitgehend unbekannten Geschichte des Geländes zwischen 1939 und 1945 als Kriegsgefangenen- und Zwangsarbeiterlager nach. Eine abschließende gemeinsame Einkehr wird die Möglichkeit geben, das Erlebte untereinander zu diskutieren. Wie immer bei den Offenen Türen sind Nicht-Mitglieder herzlich eingeladen. Eine Anmeldung unter vorstand@offene-tueren.net ist erwünscht. Die An- und Abreise erfolgt per Bahn. Treffpunkt ist am Sonntag, 27.10.2019 um 11:15 Uhr am Bahnhof in Schrobenhausen. Die Rückkehr wird vermutlich gegen 20:30 erfolgen.