Timbuktu

Dienstag, 30.6.15, 20:00 Uhr, CinePark Schrobenhausen

timbuktu
F, RiM 2014
R.: Abderrahmane Sissako mit Ibrahim Ahmed dit Pino, Abel Jafri, Hichem Yacoubi u.a.
FSK ab 12 Jahre; 96 Min.

Die von Mythen umwobene malische Stadt Timbuktu wird von Dschihadisten übernommen, die ihre Regeln der Bevölkerung aufzwingen wollen. Die Beduinen-Familie von Kidane lebt friedlich in ihrem Zelt, bis sie, beispielhaft für die Geiselnahme der ganzen Stadt, ins Visier der Fanatiker gerät. Der Regisseur und Autor des Drehbuchs, Abderrahmane Sissako, geboren in Mauretanien, ist in Bamako, der Hauptstadt von Mali aufgewachsen und hat dort zuletzt im Hof seines Vaterhauses den vielfach ausgezeichneten Spielfilm „Bamako“ gedreht. Auch „Timbuktu“ hat bereits mehrere Auszeichnungen erhalten, unter anderem beim Filmfestival in Cannes, beim Internationalen Filmfestival in Chicago und beim Festival des französischsprachigen Films in Namur, Belgien.

Die Straßen Timbuktus werden von einem Pickup durchpflügt, durch dessen Lautsprecher die Bevölkerung über die neuen Regeln informiert wird, die fortan herrschen. Aufgestellt von den islamistischen Rebellen, die eben die Stadt eingenommen haben. Die neuen Gebote und Verbote werden auf Arabisch verkündet, dann auf Französisch übersetzt. Offensichtlich ist keiner der Rebellen aus der Region und der hiesigen Sprache mächtig. Die Regeln ihrerseits sind klar: Musikverbot, Rauchverbot, Fussballverbot, Frauen haben sich von Kopf bis Fuss zu verhüllen und müssen Handschuhe tragen… Die Bevölkerung zieht sich aus den Straßen zurück, leistet aber Widerstand mit kleinen Gesten, die hin und wieder surrealistische Dimensionen annehmen.
Abderrahmane Sissako erzählt in stillen Bildern und mit einer Sanftheit, die das Drama, das er betrachtet, erst recht hervorheben. Der kopflosen Gewalt setzt er auf bewegende Weise ein zutiefst menschliches Filmgedicht entgegenzuhalten. Die Schweizer Online-Zeitung „TagesWoche“ schreibt: Leichtfüssig, humorvoll und mit einem grandiosen Zeitgefühl bildet Sissako aber auch die Kraft der Kultur seines Landes ab: Fatoumata Diawara, die junge malische Musikerin, spielt in seinem Film nicht nur eine zauberhaft farbige Figur, sondern sorgt mit der (verbotenen) Musik im Freundeskreis auch für den optimistischen Gegenpunkt im Film. Wer ihre Musik nicht kennt, findet in „Timbuktu“ Gelegenheit, sie kennenzulernen. Ihre Musik wird zu einem Zeichen des Widerstands. Gelassen, wild, sinnlich, frech und – wie der Film – auch mit Peitschenhieben nicht zu bändigen.“
Die Täter in “Timbuktu“ kommen von überall her und sprechen keine gemeinsame Sprache. So wenig sie einander verstehen, so wenig wissen sie, was die Regeln sollen, die sie den Menschen in Timbuktu aufzwingen. Für diese ist es nicht nachvollziehbar, warum sie nicht mehr rauchen, musizieren oder fussballspielen sollen, warum die Fischverkäuferin auf dem Markt Handschuhe tragen muss, warum die Moschee als Ort des Gebets und der Besinnung mit Waffen betreten wird. Zu den Glanzpunkten dieses federleicht wirkenden Films über die Tragödie des religiösen Fundamentalismus gehört ein Fussballspiel ohne Ball. Abderrahmane Sissako betreibt dabei keine Schwarzweiss-Malerei, er setzt der rücksichtslosen, gewaltverherrlichenden Dummheit eine Betrachtung voller Poesie entgegen.

Der Film ist ab 12 Jahre, in Begleitung eines Elternteils ab 6 Jahre freigegeben, dauert 96 Minuten und wird auch am Sonntag, 5.Juli um 11.00 Uhr gespielt. Der Film ist mit deutschen Untertiteln ausgestattet, die Schauspieler sprechen die jeweiligen Originalsprachen der Rollen, französisch, arabisch und tamasheq. Die nächsten Filme im Kino für Toleranz laufen an folgenden Terminen: 28.7.15 „Mommy“; 25.8.15 „1001 Gramm“. Wer per E-mail über das Programm von „Kino für Toleranz“ und die Inhalte der Filme informiert werden möchte, kann sich mit einer mail an „kino-fuer-toleranz@bayern-mail.de“ dafür anmelden.

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