Mustang

Mädchen kämpfen in einer repressiven Gesellschaft

postit KinoAm Dienstag, 27.September um 20.00 Uhr läuft im Kino für Toleranz im Cinepark-Kino der türkisch-deutsch-französische Spielfilm „Mustang“ aus dem Jahr 2015. Die Veranstalter, das sind der Verein Offene Türen, die Volkshochschule und das CinePark-Kimo zeigen mit dem Coming-of-Age Film die erste Regiearbeit der türkischstämmigen Regisseurin Deniz Gamze Ergüven, die an der französischen Filmhochschule „La Fémis“ studierte. Das Drama um die unbeugsamen Schwestern, in das die Regisseurin auch eigene Erlebnisse eingearbeitet hat, wurde 2015 bei den Filmfestspielen von Cannes ausgezeichnet.

„Mustang“ erzählt von der Unterdrückung von fünf Schwestern in der türkischen Provinz.

Fünf verwaiste Schwestern wachsen bei ihrem Onkel und ihrer Großmutter in einem abgelegenen türkischen Dorf am Schwarzen Meer auf. Am letzten Schultag feiern sie den Beginn der Sommerferien und tollen in ihren Schuluniformen mit Klassenkameraden im Meer herum. Doch damit lösen sie einen Skandal aus. Ihr als schamlos wahrgenommenes Verhalten hat dramatische Folgen: Der Onkel, die Großmutter und das ganze Dorf kontrollieren die Mädchen total, schon die kleinste Abweichung von den repressiven Regeln wird mit Arrest und Ohrfeigen bestraft. Nach und nach wandelt sich ihr Wohnhaus in ein Gefängnis, die Schutzmauer wird erhöht, die Türen abgeschlossen, die Fenster vergittert; kein Schulbesuch, kein PC, kein Telefon mehr, stattdessen Kochkurse und Kurse zur Haushaltsführung, die Mädchen sollen schnellstmöglich verheiratet werden, die Ehen für sie werden angebahnt. Trotzdem schaffen es die Mädchen immer wieder aus ihrem fremdbestimmten Alltag auszubrechen.

Mit lichtdurchfluteten Bildern trotzt der Film dem dramatischen Geschehen und setzt der Brutalität zarte Sinnlichkeit und jugendliches Aufbegehren entgegen. Dabei gelingt es der Regisseurin, diese spannende Geschichte auch erfrischend humorvoll zu erzählen. Das gelingt vor allem durch das beeindruckende Spiel der fünf Hauptdarstellerinnen.

„Mustang“ ist einerseits ein Film über eine Familie, über Geschwister, andererseits eine grundsätzliche Abhandlung über den Kampf der Frauen gegen die Zwänge und für ihr Recht auf Selbstbestimmung in einer von Männern geprägten Gesellschaft. Fundamental-orthodoxer Puritanismus bzw. das unhinterfragte Befolgen von willkürlich begründeten Regelwerken sind ja kein Alleinstellungsmerkmal einer gewissen Religion oder von bestimmten Gegenden in der Welt. Ähnliche Geschichten um den heuchlerischen patriarchalischen Ehrenkodex erzählen beispielsweise auch zwei Romane aus Kolumbien bzw. den USA: „Chronik eines angekündigten Todes“ (Cronaca di una morte annunciata) von Gabriel García Márquez spielt in den 1930er, „Die Selbstmord-Schwestern“ (The virgin suicides) von Jeffrey Eugenides spielt in den 1970er Jahren.

Der Film ist ab 12 Jahre freigegeben, dauert 93 Minuten und wird auch am Sonntag,

Matinee am Sonntag um 11:00 Uhr: Wer den KfT-Abend am Dienstag verpaßt, hat i.d.R. am folgenden Sonntag noch eine Chance: beachten Sie bitte immer unsere Ankündigungen in der Tagespresse und im Internet.

Erinnerungsservice: Wenn Sie möchten, erinnern wir Sie per Mail an die nächste Vorstellung. Senden Sie einfach eine Mail an kino-fuer-toleranz@offene-tueren.net.

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