Kino für Toleranz – „Boyhood“

Das Leben einer Familie in den USA aus Kindersicht

Ein außergewöhnliches Filmkonzept mit 12 Jahren Drehzeit.

Am Dienstag, 28. April läuft um 20.00 Uhr im Kino für Toleranz im Cinepark-Kino der US-amerikanische Spielfilm „Boyhood“ aus dem Jahr 2014, den die deutsche Film – und Medienbewertung mit dem Prädikat „Besonders wertvoll“ ausgezeichnet und ab 6 Jahre freigegeben hat.

Im Jahr 2002 begann der Drehbuchautor und Regisseur Richard Linklater ein außergewöhnliches Filmexperiment, das über 12 Jahre bis zum Kinostart 2014 dauern sollte. Er erzählt in seinem Film vom Leben einer Familie in den USA aus der Perspektive des Sohnes. Jedes Jahr kam das Filmteam zusammen und filmte die Darsteller in ihren Rollen. Keine Rolle wurde dabei umbesetzt. So sieht der Zuschauer zwar Ausschnitte aus einem fiktiven Leben, begegnet dabei aber Figuren, die so echt und authentisch in Szene gesetzt werden, dass ein fast dokumentarischer Eindruck entsteht.
Mason ist am Beginn des Films sechs Jahre alt und lebt mit seiner zwei Jahre älteren Schwester Sam bei der alleinerziehenden Mutter Olivia, die über die Jahre nicht nur einen absolut schlechten Männergeschmack beweist, sondern auch viel Liebe und Geduld und einen herrlichen Humor. Sie ist die stille Basis dieser Familie und gleichsam ein Hort des Chaos, der Umzüge und üblen Liebesgeschichten. Der fast dreistündige Film begibt sich auf eine ruhige Reise durch Masons Kindheit und Heranwachsen und beobachtet seine Verwandlung von einem kleinen Jungen bis hin zu seinem ersten Tag am College.
Eine sehr wichtige Komponente des Films ist das authentische Spiel der jungen Darsteller, allen voran Ellar Coltrane als Mason. Seine Differenziertheit ist ein Glückstreffer der Besetzung, und schon als kleiner Junge nimmt seine große Leinwandpräsenz den Zuschauer gefangen. Noch am Ende des Films erkennen die Zuschauer in den Augen des 18-jährigen Mason den kleinen Jungen vom Beginn des Films, obwohl die Landschaft seines Gesichts eine andere ist. „Boyhood“ ist mit seiner völlig eigenen Zeitlichkeit ein gelungenes filmisches Experiment, eine Milieustudie der USA in den vergangenen 12 Jahren, ein Zeitraffer unterm Mikroskop. Die völlig eigene Zeitlichkeit dieses Films ist ein beeindruckendes Erlebnis, ein gelungener Versuch, für den der Regisseur auf der Berlinale 2014 mit dem Silbernen Bären für die Beste Regie belohnt wurde.
Der Film dauert 164 Minuten und wird auch am Sonntag, 3. Mai um 11.00 Uhr gespielt. Die nächsten Filme im Kino für Toleranz laufen an folgenden Terminen: 26.5.15 „Jimmy´s Hall“; 30.6.15 „Timbuktu“; 28.7.15 „Mommy“; 25.8.15 „1001 Gramm“.

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