Irland in den dreißiger Jahren

Reaktionär, ungerecht und lebensfeindlich

postit KinoAm kommenden Dienstag, 26. Mai läuft um 20.00 Uhr im Kino für Toleranz im Cinepark-Kino der britisch-französisch-irische Spielfilm „Jimmy´s Hall“ aus dem Jahr 2014. Regisseur des Films ist Ken Loach, seit den Sechziger Jahren der Meister des sogenannten Kleine-Leute-Films, der Sozialrebell des britischen Kinos. „Jimmy´s Hall“ ist nach „The Wind that shakes the Barley“ und „Angel´s Share“ bereits der dritte Film von Ken Loach, den Kino für Toleranz zeigt.


Der Film spielt in den 1930er Jahren in Irland und handelt vom Kampf des irischen Aktivisten Jimmy Gralton gegen die Bevormundung und Ausbeutung durch Kirche und Großgrundbesitzer. Das Leben Jimmy Graltons ist eine verbürgte Episode aus der bewegten Geschichte Irlands. 1886 in Irland geboren kehrte er nach seiner Deportation 1933 nie wieder nach Irland zurück und starb 1945 in New York. Er ist der einzige gebürtige Ire, der jemals aus seinem Geburtsland ausgewiesen wurde.
Irland, Grafschaft Leitrim, 1932: James „Jimmy“ Gralton kehrt aus Amerika in sein Heimatdorf zurück, das er vor vielen Jahren wie so viele seiner Landsleute verlassen hatte. Mittlerweile – nach Börsenkrach und Wirtschaftskrise 1929 – ist die Partei „Fianna Fáil“ an der Macht, die mit ihrem Bekenntnis zur staatstragenden katholischen Kirche und zu den Prinzipien des Kapitalismus Unterstützung aus allen Schichten der Gesellschaft bekommt. Doch die politische Linie der Regierung verschlimmert die sozialen Probleme: die Lebensbedingungen der Arbeiterklasse und Farmer verschlechtern sich weiter und die soziale Ungleichheit nimmt zu. Gegen diese Zustände versucht die irische Linke, zu der Jimmy gehört, politisch zu arbeiten, fordert die Einlösung der Wahlkampfversprechen, etwa das Land den Landlosen zu überlassen.
Jimmy eröffnet in einer alten Blechhütte in seinem Heimatdorf den einst von ihm gegründeten Jugendclub „Pearse-Connolly-Hall“ wieder und versucht, die Bevölkerung, vor allem die Jugend zu freiem und eigenständigem Denken zu animieren. Er und seine Mitstreiter betreiben dort Bildungs- und Kulturarbeit, die jungen Leute hören Jazz-Musik, der Saal gibt den Ärmsten neue Hoffnung, er wird zum Ort der freien Entfaltung und der Inspiration, ein Ort zum Träumen und natürlich zum Tanzen. Doch von der Kanzel herab nimmt die Zensur und die Verdammung von Jazz, Tanz und „unzüchtiger Kleidung“ stetig zu. Immer wieder werden Versammlungen sozialistischer Aktivisten von gewalttätigen Antikommunisten und der IRA attackiert. Jimmy wird in dieser angespannten Lage zur Zielscheibe der irischen reaktionären Kreise.
Der Film ist ab 6 Jahre freigegeben, dauert 109 Minuten und wird auch am Sonntag, 31. Mai um 11.00 Uhr gespielt. Die nächsten Filme im Kino für Toleranz laufen an folgenden Terminen: 30.6.15 „Timbuktu“; 28.7.15 „Mommy“; 25.8.15 „1001 Gramm“. Wer per E-mail über das Programm von „Kino für Toleranz“ und die Inhalte der Filme informiert werden möchte, kann sich mit einer mail an „kino-fuer-toleranz@bayern-mail.de“ dafür anmelden.

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