Asyl ist ein Menschenrecht


Das Thema Asyl und Integration stand in diesem Jahr im Focus des Neujahrsempfanges der Stadt Schrobenhausen. Vor und nach dem offiziellen Empfang der Stadt, nutzen zahlreiche Gäste die Möglichkeit sich über das Thema zu informieren. Joachim Siegl vom Verein „Offene Türen“ erklärt, worum es bei der Ausstellung geht.

 


 „Asyl ist Menschenrecht.“

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Stadträte, sehr geehrte Damen und Herren,

Asyl ist Menschenrecht.

Eigentlich ist das ja eine Banalität. Wenn in unseren Schulen über das Grundgesetz, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte oder die Genfer Flüchtlingskonvention gesprochen wird, sind die Artikel, die dort zum Thema Asyl stehen, eine Selbstverständlichkeit. Wenn wir im Fernsehen Bilder vom grenzenlosen Leid der Menschen in Syrien, Afghanistan, Eritrea oder aus anderen Konfliktregionen dieser Erde sehen, ist jedem, der einen Funken menschlichen Mitgefühls im Leib hat, klar, dass diesen Menschen Schutz geboten werden muss.

Asyl ist ein Menschenrecht. Jeder Mensch hat das Recht in einem anderen Land Schutz vor Verfolgung, Gewalt und Krieg zu suchen. Nach Schätzungen der UN sind weltweit 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Im letzten Jahr wurde diese Tatsache auch in Schrobenhausen spürbar. Die Flüchtlingsproblematik wird für uns durch die Menschen, die hier ankamen, sichtbar und begreifbar. Und wie an anderen Orten auch, hat auch hier eine eindrucksvoll große Zahl von Menschen ganz selbstverständlich begonnen, sich um diese Flüchtlinge zu kümmern. Da werden zentrale Werte einer christlich-abendländischen Kultur manifest: Humanität und Nächstenliebe.
Wir haben Menschen und Schicksale kennengelernt, haben gesehen, wie die Erleichterung, endlich angekommen zu sein, mit der Zeit von Langeweile und der Sorge um die Zukunftsperspektive überlagert wird.

Asyl ist ein Menschenrecht. Das ist eine gesetzliche und humanitäre Selbstverständlichkeit. Aber in unserem Land, in ganz Europa gibt es lautstarke Gruppierungen, die Ängste und Ressentiments instrumentalisieren und es gibt eine fatale Tendenz in der Politik, diesen vor dieser Lautstärke einzuknicken. Mit immer neuen Regelungen und Gesetzen will man vorgeblich gegen Kriminelle und Terroristen vorgehen, trifft aber die große Zahl der Schutzbedürftigen.

Der Satz der Bundeskanzlerin „Wir schaffen das!“ hat große Wellen geschlagen. Dabei ist auch er eine Banalität. Wenn sie sich die Fakten ansehen, die ProAsyl in der im Foyer gezeigten Ausstellung zusammengetragen hat, zeigt sich, dass die größte Last der Flüchtlingsbewegungen Länder schultern, die mit ihrer Wirtschaftskraft weit hinter der Bundesrepublik liegen. Es ist eine Herausforderung, aber diese Gesellschaft ist in der Lage, auch einer so großen Zahl von Flüchtlingen Schutz zu geben und, ja, die Menschen zu integrieren. Das große Engagement der Zivilgesellschaft ist dazu ein wichtiger und ermutigender Beitrag. Wir müssen stolz darauf sein, das Menschenrecht Asyl bei uns in die Tat umsetzen zu können. Wir müssen aufhören, Abschreckung und Abgrenzung in den Vordergrund zu rücken. Wir müssen uns mit den Tatsachen auseinandersetzen. In immer neuen Asylpaketen wird die Integrationsunwilligkeit sanktioniert. Ich treffe aber in den Unterkünften auf junge Menschen, die sich lieber heute als morgen integrieren möchten, die aber Ärger bekommen, wenn sie sich vier Wochen zu früh für einen Integrationskurs anmelden.

Da wird ein Popanz der Leistungserschleichung aufgebaut und gleichzeitig erleben wir hier ganz konkret, dass fast alle Flüchtlinge täglich nach Arbeit fragen, örtliche Unternehmer sie auch einstellen würden, aber Arbeitsgenehmigungen verzögert oder ganz verweigert werden.
Sehr wichtig erscheint mir, dass die politische Diskussion wieder von gegenseitigem und kompromisslos friedfertigem Respekt getragen wird. Freiheit ist die Freiheit des Andersdenkenden. Das Recht auf Meinungsfreiheit bedeutet aber nicht, dass die geäußerte Meinung unwidersprochen bleiben muss. Die öffentliche Diskussion muss sich an den Fakten statt an parteipolitischem Kalkül und Vorurteilen ausrichten. Das Gros der Flüchtlinge kommt aus Gründen hierher, die vom Menschenrecht auf Asyl abgedeckt sind. Unser Boot ist nicht voll, im Gegenteil: viele der Flüchtlinge können in Zeiten von Arbeits- und Fachkräftemangel unserem Land einen Nutzen bieten. Dass das nicht innerhalb eines oder zwei oder fünf Jahre hopplahopp geht, ist selbstverständlich. Der Libanon, Nr. 147 im Ranking der Wirtschaftsleistung, wird mit 1,5 Mio Flüchtlingen fertig. Da wird der Exportweltmeister Deutschland das auch schaffen. Es gibt in diesem Land Pegida und die AfD, aber es gibt in jedem Dorf Helferkreise und abertausende von Ehrenamtlichen, die sich – weniger lautstark, aber dafür umso wirkungsvoller – für Integration und Humanität engagieren und die es verdient hätten, dass die große Politik endlich ihre Expertisen hört und ihre Anliegen aufgreift und nicht durch populistischen Aktionismus diese Ehrenamtlichen frustriert, weil sie bemerken, dass ihre Bemühungen zunichtegemacht werden.
Die Ausstellung „Asyl ist Menschenrecht“ ist eine solche Expertise, die zu einer solchen faktenbezogenen Diskussion anregen will. Wir vom Verein „Offene Türen“ wollen sie in den nächsten Wochen an verschiedenen Orten in Schrobenhausen zeigen und sind gerade dabei, Kooperationspartner zu suchen, in den Pfarrgemeinden, Schulen und anderen öffentlichen und privaten Einrichtungen, um mit möglichst vielen Schrobenhausenern ins Gespräch zu kommen.

Schauen Sie sich die Plakate an. Die Maria-Ward-Schule hat sich recht spontan entschlossen, sie in den nächsten Wochen noch hier hängen lassen und mit den Schülerinnen zu bearbeiten. Wenn Sie Ideen zu Ausstellungsorten und/oder begleitenden Veranstaltungen haben, freuen wir uns, wenn Sie auf uns zu kommen.

Herzlichen Dank

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